Entlassungswelle: Gibt es Alternativen?

Wenn die Kosten Überhand nehmen und der Umsatz sinkt, ist das Management oft gezwungen, Mitarbeiter zu entlassen. Doch welche Alternativen gibt es zur Kündigungswelle? Wie kann man ein in Schieflage geratenes Unternehmen auch arbeitsplatzerhaltend restrukturieren? Wir stellen Ihnen acht bewährte Alternativen vor.

Workshop: Geschäftsmodell neu strukturieren

In vielen Unternehmen ist die Größe der Belegschaft nicht einem völligen Fehlmanagement, sondern schlicht den angestrebten Produktionszielen geschuldet. Ein einfacher Stellenabbau bei gleichbleibenden oder gar steigenden Zielen ist hier nicht realistisch, denn eine kleinerer Mitarbeiterstamm kann nicht neben ihrem eigenen Einsatzgebiet zusätzlich noch die Arbeit der fehlenden Kollegen schultern. Ein neues Geschäftsmodell mit skalierbaren Ansätzen ist gefragt. Um über Themen wie Digitalisierung und Automatisierung mit Blick auf eine höhere Skalierbarkeit, die steigenden Unternehmenszielen gerecht wird, bietet sich ein Workshop an. Eine Anleitung mit den vier Schritten hierfür finden Sie in unserem Praxis-Beitrag "Destroy Your Business". So können Sie bestehende Unternehmensressourcen in neue, gewinnbringende Geschäftsmodelle strukturieren.

Gehälter kürzen und weniger Arbeit anbieten

Wenn der Firma ein schwerer wirtschaftlicher Schaden droht, sind Gehaltskürzungen rechtens. Wichtig ist hierbei:

  • Die Kürzungen dürfen nicht willkürlich sein. Alle Mitarbeiter sollten hiervon in vergleichbarem Maße betroffen sein.
  • Kommunizieren Sie die Verhandlung neuer Gehaltsstrukturen mit Ihren Mitarbeitern klar als Alternative zur Kündigung, aber ohne mit einer Lohnkürzung zu drohen.
  • Holen Sie sich die Zustimmung der Mitarbeiter ein, halten Sie in keinem Fall ohne eine im gegenseitigen Einvernehmen beschlossene Arbeitsvertragsanpassung Gehälter ein.

Statistik: Wie haben sich die Personalmaßnahmen in Ihrem Betrieb im Zuge der Wirtschaftskrise verändert? | Statista

Gehaltskürzungen lassen sich außerdem mit reduzierten Arbeitsstunden oder Job Sharing, bei dem zwei Stellen zu einer zusammengelegt und in Teilzeit von zwei Arbeitskräften besetzt werden, verbinden. Möglicherweise können Sie auch einen Teil des Gehalts streichen und durch steuerfreie Sachbezugsleistungen wie Tankgutscheine ersetzen. Auf diese entfallen Steuern und Sozialabgaben für beide Seiten, allerdings nur bis zu einer Höhe von 44 € pro Mitarbeiter pro Monat.

Statistik: Anzahl der Kurzarbeiter in Deutschland im Jahresdurchschnitt von 1991 bis 2017 | Statista

Gerade in Deutschland ist auch das Model "Kurzarbeit" beliebt. Aber vorsicht! Kurzarbeit kommt der Entlassung in seiner Wirkung auf Ihr Geschäft sehr nahe. Mehr dazu in unserem Beitrag von letzter Woche.

Frührente oder Altersteilzeit inzentivieren

Bieten Sie älteren Mitarbeitern an, in Frührente zu gehen. Oft profitieren diese Mitarbeiter von Gehaltsstrukturen, die in Zeiten anderer wirtschaftlicher Verhältnisse ausgehandelt wurden oder mit langjähriger Unternehmensangehörigkeit gewachsen sind. Wenn sie vor Ablauf ihres Arbeitsvertrages in Rente gehen, können Sie Mitarbeiter auf einer niedrigeren Gehaltsstufe einstellen. Für den Arbeitnehmer, der in Frührente geht, hat dies allerdings Abstriche beim Rentensatz zur Folge. Die Frage nach einer entsprechenden Abfindung kann aufkommen.

Infografik: Vorruhestand spielt in Deutschland vergleichsweise große Rolle | Statista

Eine Alternative zur Frührente ist die Altersteilzeit, bei der Mitarbeiter vor dem Renteneinstieg ihre Arbeitszeit auf 50% reduzieren. So entfallen Teile der Lohnkosten, aber natürlich reduziert sich auch die Verfügbarkeit der Mitarbeiter. Bei der Altersteilzeit müssen Arbeitgeber beachten, dass eine Lohnaufstockung von mindestens 20% rechtlich vorgesehen ist - Ihre Mitarbeiter bekommen also einen höheren Stundensatz. Die freigewordene Arbeitszeit kann der Arbeitnehmer entweder fortlaufend nehmen oder in einem Blockmodell. Bei dieser Variante arbeite der Arbeitnehmer die Hälfte der bis zum Renteneintritt vorgesehenen Arbeitszeit in Vollzeit weiter, erhält aber nur das Teilzeitgehalt. Nach Ablauf der ersten Hälfte des Vorrentenzeitraumes wird der Mitarbeiter freigestellt und erhält weiterhin das reduzierte Gehalt plus die Lohnaufstockung.

Mitarbeiterbeteiligung

Um Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden, ihre Identifikation mit der Firma zu stärken und die Produktivität anzuheizen, können Sie einen Employee Buy-Out anbieten. Hierbei kaufen Mitarbeiter Anteile am Unternehmen. Beim direkten Übergang können Gehälter ganz oder teilweise in Unternehmensanteile konvertiert werden, die dann dauerhaft in den Besitz der Angestellten übergehen. Das Unternehmen spart so Lohnkosten und bei den Mitarbeitern reduziert sich die Last durch Steuern und Sozialabgaben. Ist eine kurze Finanzspritze durch Fremdkapital gefragt, können Angestellte dem Unternehmen ein Mitarbeiterdarlehen gewähren. Der Arbeitgeber behält im gegenseitigen Einvernehmen einen Teil des Gehaltes ein und zahlt diesen zuzüglich eines vom Gewinn oder Umsatz des Unternehmens abhängigen Zinssatzes zu einem späteren Zeitpunkt zurück.

Langzeitstrategie: Betriebsinterne Umschulungen

Wenn bestimmte Arbeitsplätze, Positionen oder Abteilungen zukünftig wegfallen werden, können die betroffenen Mitarbeiter umgeschult werden und zukünftig andere Arbeitsplätze abdecken. Möglicherweise gibt es verwandte Einsatzgebiete, die einen geringen Trainingsbedarf haben - beispielsweise, wenn Wartungsmitarbeiter in Produktion oder Montage wechseln können. Werden im Gegenzug neue Positionen oder Abteilungen geschaffen? Dann überlegen Sie, welche Angestellten geeignete Skillsets für einen Wechsel mitbringen und durch welche Unterstützung Sie die Mitarbeiter auf ein neues Arbeitsgebiet vorbereiten können, die bisher keine entsprechenden Erfahrungen gesammelt haben.
Bei dieser Alternative ist eine langfristige Perspektive und der rechtzeitige Blick in die Zukunft gefragt. Der richtige Zeitpunkt, um diese Strategie zu implementieren, ist bevor das Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät oder gar eine Insolvenz droht. Sie bietet sich an, wenn sich Markt- bzw. Unternehmensveränderungen langsam durchsetzen oder auf lange Sicht absehbar und damit planbar sind.

Unternehmensumfragen

Nutzen Sie das Know-how Ihrer Belegschaft und schöpfen Sie aus Verbesserungsvorschlägen, die direkt von den betroffenen Fachexperten stammen. Oft haben Ihre Mitarbeiter konkrete Vorschläge zur Optimierung ihrer Produkte oder Arbeitsbereiche und Ansätze zur Entwicklung neuer Produkte, Abläufe oder Unternehmensstrategien. In unserem Beitrag zu Verbesserungsmaßnahmen lesen Sie, wie Sie diesen Prozess mit einer Bottom Up-Planung gestalten können.

Mitarbeiter-Benefits untersuchen

Möglicherweise wird in Ihrem Unternehmen viel Geld für Mitarbeiter-Benefits wie Firmenwagen, Weihnachtsfeiern, tägliche Verpflegung, Reisen oder Mitarbeitergeschenke ausgegeben. Die einfachste Methode ist, diese schlichtweg zu streichen. Doch welche Alternativen hat man, Ausgaben zu reduzieren, ohne die Mitarbeiter in Aufruhr zu versetzen?

  • Bieten Sie statt Bonuszahlungen z.B. längere unbezahlte Auszeiten für Sabbaticals oder Weiterbildungen an.
  • Knüpfen Sie Weihnachtsgelder oder ähnliche Sonderzahlungen an die Erreichung von Umsatzzielen.
  • Auch Mitarbeiterprogramme, bei denen Ihre Mitarbeiter Rabatte auf Produkte und Dienstleistungen anderer Anbieter erhalten, sind eine wertvolle Alternative, die Sie als Arbeitgeber kein Geld kosten.
  • Haben Sie ein Produkt oder eine Dienstleistung, die Mitarbeiter kostenlos nutzen können, ohne dass bei Ihnen zusätzliche Ausgaben entstehen?
  • Wenn Sie Ihren Mitarbeitern bereits Firmenhandys mit Flatrate-Verträgen zur Verfügung stellen, können Sie hier als Benefit auch die private Nutzung gestatten.
  • Werden Firmenwagen nur sporadisch genutzt, weil Ihre Angestellten nicht regelmäßig z.B. im Außendienst unterwegs sind, dann rechnet sich vielleicht die Umstellung auf einen Car Sharing-Dienst, bei dem nur tatsächlich absolvierte Fahrten bezahlt werden müssen.
  • Auch an dieser Stelle kann es sich lohnen, über steuer- und sozialabgabenfreie Sachbezugsscheine nachzudenken.

Ihrer Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Vielleicht entwickeln Sie ja sogar ein paar einzigartige Ideen, die den Zusammenhalt ihres Unternehmens für die schwierige Zeit noch stärkt und das Betriebsklima positiv beeinflusst.

Home Office

Wenn Sie den Vorteil flexibler Mietverträge bei Ihren Büroimmobilien zu haben, können Sie Ausgaben reduzieren, indem Sie Mitarbeitern ins Home Office auslagern und dafür Ihre Standorte verkleinern. Wenn Sie Ihre Büroimmobilien nicht mieten sondern besitzen, können Sie die freigewordenen Arbeitsplätze an andere Unternehmen vermieten und so eine zusätzliche Einnahmequelle schaffen.
Vom Home Office zu arbeiten, hat den Vorteil für Arbeitnehmer, dass sie weniger Fahrzeit und -kosten haben, wodurch Kinderbetreuung und Freizeitgestaltung vereinfacht werden sowie der Alltag entstresst wird. Oft können Arbeitskräfte zu Hause aufgrund fehlender Ablenkungen konzentrierter arbeiten und so außerdem ihre Produktivität erhöhen. Wichtig: Nicht für jeden Mitarbeiter ist dies die richtige Arbeitsform, vielen Menschen fehlt dann der soziale Aspekt. Abhilfe kann eine Mischform schaffen, bei der sich mehrere Mitarbeiter einen Arbeitsplatz im Büro teilen und abwechselnd einen Tag im Büro und einen bzw. mehrere Tage im Home Office verbringen.

Statistik: Wenn Sie die Wahl hätten, würden Sie dann lieber im Büro oder von zu Hause aus arbeiten? | Statista

Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Thema Downsizing? Haben Sie bereits eine der präsentierten Wege probiert oder kennen Sie noch andere Alternativen? Dann schreiben Sie gerne an unser Blog-Team unter info@nordantech.com oder schreiben uns auf Facebook. Wir suchen immer spannenden Input für neue Beiträge und freuen uns auf einen angeregten Austausch mit Ihnen!