Krisen-Allheilmittel Downsizing! Doch hilft es wirklich?

Auf der Suche nach einem Liquiditäts-Boost wird gerade in Krisenzeiten oft über das Thema Entlassungen und Kurzarbeit - auch Downsizing genannt - diskutiert. Bevor Sie sich für diesen drastischen Schritt entscheiden, haben wir uns für Sie mit den wissenschaftlichen Ergebnissen zu langfristigen Konsequenzen dieser Maßnahmen befasst.

Das Einsparpotential von Downsizing kann auf die folgende simplifizierte Formel vereinfacht werden:

Liquiditätsboost = Eingesparte Köpfe

Dies entspricht absolut der Wahrnehmungsrealität der (deutschen und angelsächsischen) Unternehmenswelt. Eine Maßnahme die wir exakt in dieser Form wieder und wieder bei unseren Kunden sehen – so häufig, dass sich gar die Volkswirte mit diesem vermeidlich mikroökonomischen Phänomen befassen (das taten zum Beispiel Meuse, Vanderheiden, & Bergmann, schon 1994 oder Marr & Steiner in 2003).



Warum ist die Maßnahme so prävalent? Wir behaupten, Maßnahmen finden sich manchmal wie Wasser ihren Lauf: Nämlich auf dem Wege des geringsten Widerstandes. Die sofortige Liquiditätswirkung und die einfache Planbarkeit machen die Entlassung bei Unternehmern in finanzieller Schieflage und den oft dahinterstehenden finanzierenden Banken attraktiv.

Was sagt die Forschung zu Downsizing?

Doch zeigt sich, dass nur in den seltensten Fällen die Entlassungswelle nachhaltig zum Erfolg führt – meist lindert sie zwar kurzfristig das etwaige Symptom, behandelt die Problemursache aber nicht nachhaltig. Das belegen verschiedenste Forscher, wie Cascio (1993) und 2002 oder Gittell (2006). Quasi wie Schmerzmittel beim Knochenbruch. Es hilft auf die Schnelle - aber meist auch nicht mehr.

Downsizing im Rahmen der Finanzkrise

Eine der bisher größten Entlassungswellen folgte auf die globale Finanzkrise. Noch im Jahr 2010 planten europäische, amerikanische und asiatische Firmen eine Reduktion der Arbeitskräfte um durchschnittlich knapp 11%, wie Murillo Campello, John Graham und Campbell R. Harvey (2009) in einer wissenschaftlichen Umfrage der Duke University und University of Illinois herausfanden (zur Studie). Eine gewaltige und volkswirtschaftlich relevante Reduktion. Dabei ist sich die Forschung - aber auch die Praxis - nicht einig, ob der Effekt der Finanzkrise bereits überstanden ist.

Langzeiteffekte von Downsizing

Einer der aktuellsten Studien kommt von Maertz, Wiley, Le Rouge und Campion (2010). Sie untersuchen die Wirkung von Downsizing anhand von 13.683 amerikanischen Unternehmen. Sie zeigen, dass Downsizing Survivor im Gegensatz zu vergleichbaren Unternehmen, die kein Downsizing durchgeführt haben, zwar kurzfristig besser abschnitten, langfristig jedoch mit deutlich signifikanten Leistungseinbußen leben mussten.

Neagtiver Effekt auf die lange Sicht

Die Gründe für den langfristig negativen Effekt von Downsizing sind mannigfaltig. Eine der Hauptursachen scheint in der Signalwirkung zu liegen. Viele der besten Mitarbeiter verlassen das sinkende Schiff meist vor der großen Entlassungswelle. Die weiterhin Beschäftigten schlagen sich derweil mit oftmals negativen unternehmenskulturellen Entwicklungen umher – die etwaige Angst vor erneuten Sparmaßnahmen hilft der Motivation dabei sicherlich auch nicht auf die Sprünge. Das Unternehmensklima leidet drastisch.

Der As-Is-Case als falsche Annahme

Auch marktseitig kann es zu Problemen kommen. Lieferanten und Kunden reagieren oftmals nervös, wenn Pressemitteilungen Entlassungen kundgeben. Im schlimmsten Fall werden gleichzeitig die Zahlungsziele kürzer und die Umsätze sinken. Und hier liegt der Hase im Pfeffer. Denn die Grundannahme des Downsizings ist meist, dass alle sonstigen Kosten- und vor allem Umsätze im weitesten Sinne konstant bleiben. Dies ist die berühmte Ceteris-Paribus- oder auch All-Else-Equal-Annahme. Das heißt, die Unternehmensperformance wird linear fortgeschrieben – in den schlimmsten Fällen gar komplett flach.

Diese Fortschreibung wird oft als As-Is-Case bezeichnet. Der As-Is-Case entbehrt sich jedoch in vielen Fällen den unterliegenden Zusammenhängen der Unternehmensprozesse und ist eben nicht linear. Der Liquiditäts-Boost ist daher meistens kurzfristig um diese Effekte und langfristig um die fehlende Investitionsmöglichkeit reduziert.

Wann kann Downsizing zum Erfolg verhelfen?

Wann ist Downsizing also sinnig? Die Forschung ist sich uneinig. Aber es gibt einige Indikationen, zum Beispiel von Love & Nohria (2005), die der Praxis helfen können:

  1. Wertschöpfung: Wenn das Verhältnis von direkt zur Wertschöpfung beitragenden Mitarbeitern zu indirekt zur Wertschöpfung beitragenden Mitarbeitern sich zunehmend verkleinert, während Umsätze konstant bleiben.
  2. Businessmodel Transformation: Wenn das Downsizing keine für sich alleinstehende Maßnahme ist, sondern durch eine Veränderung des Geschäftsmodells begleitet wird. Denn nur dann wird der Teufelskreis rund um den As-Is-Case gebrochen – denn wann bleibt es schon „As-Is“ wenn mehr als jeder zehnte Mitarbeiter gehen muss.
  3. Timing: Wenn das Downsizing in Zeiten stabiler Profitabilität – also proaktiv vorgenommen wird.

Kopf in den Sand? Nein!

Gerade der letzte Punkt macht das Downsizing so schwierig. Denn Entlassungen kommen – vielleicht auch zum Glück – nur den Wenigstens in guten Zeiten in den Sinn. Einfacher ist es, sich fortwährend (oder zumindest in geplanten regelmäßigen Abständen) Gedanken über das gelebte Geschäftsmodell und dessen Zukunft zu machen. Und wenn man schon dabei ist, können auch direkt Maßnahmen abgeleitet werden. Dabei helfen wir Ihnen gerne! Sprechen Sie uns an!